Versatile AI Risk Assessment
Verwaltung, Justiz und Sicherheit

Automatische Kennzeichenerkennung (ANPR)

Englisch: Automatic number plate recognition (ANPR)

Kameras erfassen Kfz-Kennzeichen, und das System gleicht sie automatisch mit Register- oder Fahndungsdaten ab.

Interaktives Modell erkunden

Handout exportieren

Eine kompakte PDF mit Funktionsweise, Datenwegen und Prüfansätzen zum Weitergeben.

Die Erläuterungen und Maßnahmen beschreiben den typischen Aufbau. Viele eigene Änderungen ergänzen einen Anhang.

Den Anwendungsfall verstehen

Was macht diesen Anwendungsfall aus?

Kameras an festen Standorten oder auf einem Scanfahrzeug erfassen vorbeifahrende oder parkende Fahrzeuge, eine Bilderkennung liest das Kennzeichen. Niederländische Gemeinden prüfen so, ob ein Parkrecht besteht, die Polizei gleicht Kennzeichen mit Fahndungsdaten ab.

Die Seite beschreibt einen typischen Aufbau. Die tatsächlichen Datenwege und Befugnisse ergeben sich aus Ihrer Umsetzung.

Bauform
Auswertung und Verarbeitung
Handlungsmacht
Handlungsrechte je nach Einbindung
Einsatzfelder
Kommunen, Polizei
Auch bekannt als
Scanfahrzeug, Kennzeichenlesesystem

Funktionsweise und Ablauf

Aufbau und Datenwege

  1. Eingabedaten

    Kameras nehmen vorbeifahrende oder parkende Fahrzeuge mit Ort und Zeit auf.

    Kennzeichen und Fahrzeuge im öffentlichen Raum lassen sich von Außenstehenden verdecken, verschmutzen oder fälschen. Ein Kennzeichen führt über das Fahrzeugregister zur Halterin oder zum Halter.

  2. Verarbeitung

    Die Bilderkennung liest das Kennzeichen, und das System sucht es in der Datenbank der Parkrechte oder im Fahndungsbestand.

    Eine Bildverarbeitung erkennt zunächst den Kennzeichenbereich und wandelt dessen Zeichen in Text um. Anschließend kann die erkannte Zeichenfolge mit einem vorgesehenen Bestand abgeglichen werden. Bilderkennung, Zeichenlesung und Datenbanktreffer sind aufeinanderfolgende Schritte mit jeweils eigenen Ergebnissen.

  3. Ergebnisse

    Das System meldet einen Treffer mit Bild, Ort und Zeit oder verwirft die Aufnahme.

    Das Ergebnis beschreibt die definierte Modellaufgabe. Ein Treffer, eine Kategorie oder eine Prognose erhält seine fachliche Bedeutung erst zusammen mit den zugrunde liegenden Daten und dem vorgesehenen Verwendungszweck.

  4. Nutzung und Auswirkungen

    Kontrollkräfte oder Polizei prüfen den Treffer und verhängen ein Verwarnungsgeld, kontrollieren das Fahrzeug oder leiten eine Fahndungsmaßnahme ein.

    Die Einbindung bestimmt, ob das Ergebnis lediglich angezeigt, nach Freigabe übernommen oder direkt in ein Fachverfahren geschrieben wird. Diese Varianten unterscheiden sich in ihren Datenwegen und Befugnissen.

Aufbau aktiv erkunden: Wählen Sie einen Baustein, um seine Aufgabe, die ein- und ausgehenden Daten und die Einbindung im Anwendungsfall zu sehen. Der geführte Ablauf erläutert jede Phase. Mit Ja, Offen und Nein können Sie anschließend Ihre konkrete Systemvariante abbilden.

So ist das System aufgebaut

7 zuerst zu prüfen10 zu klären7 Grundlagen

EingangVerarbeitungErgebnisWirkung Zugangvon außen 04 Eingabe 30 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 13 Dokumenten-sammlung 10 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 11 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01 Zugangvon außen 04 Eingabe 30 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 13 Dokumenten-sammlung 10 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 11 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01
  • Vorhanden
  • Hängt von Ihrem System ab
  • Nicht vorhanden
  • Zuerst zu prüfen
  • Zu klären

Im gezeigten Aufbau: 7 zuerst zu prüfen, 10 zu klären, 7 Grundlagen.

Aufbau als Liste

Abgrenzung zu ähnlichen Anwendungsfällen

Daten und Informationen

Eingabedaten und Informationsquellen

Kennzeichen und Fahrzeuge im öffentlichen Raum lassen sich von Außenstehenden verdecken, verschmutzen oder fälschen. Ein Kennzeichen führt über das Fahrzeugregister zur Halterin oder zum Halter.

Verarbeitung und Betriebsumgebung

Kameras und Bilderkennung stammen in der Regel von einem Anbieter.

Speicherung und weitere Nutzung

Das System sucht jedes gelesene Kennzeichen in der Datenbank der Parkrechte oder im Fahndungsbestand.

Ergebnisse und Datenweitergabe

Je nach Behörde löst ein Treffer selbst ein Verwarnungsgeld aus oder eine Kontrollkraft bestätigt ihn erst.

Ein eingebundener Anbieter legt den Verarbeitungsort nicht automatisch fest. Speicherort, Unterauftragnehmer, Löschfristen und die Nutzung für Training sind im konkreten Betrieb zu prüfen.

Risiken einordnen und Maßnahmen festlegen

Vom Systemverständnis zur Risikoanalyse

  1. System abgrenzen

    Daten, Beteiligte, Schnittstellen und Rechte erfassen. Offene Merkmale im Modell klären.

  2. Bedrohungen untersuchen

    Prüfkandidaten auf die tatsächlichen Datenwege beziehen: Was könnte passieren und wer wäre betroffen?

  3. Risiko bewerten

    Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeit im Einsatzkontext bewerten. Die Anzahl der Prüfkandidaten ist kein Risikowert.

  4. Maßnahmen nachweisen

    Geeignete Kontrollen auswählen, Verantwortliche und Wirksamkeitsprüfungen festlegen. Restrisiken und Freigaben dokumentieren.

Wichtige Bedrohungen im Anwendungskontext

  • 3 besonders wichtig
  • 4 üblich
  • 10 je nach System
  • 7 weitere bei jedem KI-System

Insgesamt kommen bei diesem Anwendungsfall 24 Bedrohungen aus dem Bedrohungskatalog infrage.

Außerdem prüfen: ob das System Gruppen benachteiligt

Prüfen Sie, ob Auswahl, Rangfolge oder Bewertung Menschen mit geschützten Merkmalen benachteiligen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Vorrangige Prüfansätze

  1. Adversariale Eingaben

    Ein verschmutztes, teilweise verdecktes oder mit Folie verändertes Kennzeichen liest das System falsch. Dann erhält ein fremdes Fahrzeug das Verwarnungsgeld, oder ein gesuchtes Fahrzeug bleibt unerkannt.

  2. Übermäßiges Vertrauen in das KI-System

    Kontrollkräfte sehen täglich viele Treffer und bestätigen sie irgendwann, ohne genau hinzusehen. Eine verwechselte Ziffer führt dann zu einem Bescheid gegen eine unbeteiligte Person.

  3. Offenlegung sensibler Informationen

    Das System speichert zu jedem Kennzeichen Ort und Zeit. Gelangen diese Aufzeichnungen nach außen oder werden sie länger als vorgesehen aufbewahrt, lässt sich nachvollziehen, wer sich wann wo aufgehalten hat.

4 weitere Prüfkandidaten im typischen Aufbau

Weitere relevante Bedrohungen

  1. Gezielte Datenvergiftung / Label-Vergiftung

    Wer die Kennzeichnungen in den Trainingsdaten fälscht, kann die Ergebnisse des Modells gezielt verschieben.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Lernt aus Beispielen mit richtiger Antwort
  2. Backdoor im ML-Modell

    Über Trainingsdaten oder ein übernommenes Grundmodell kann das Modell versteckte Auslöser für Fehlverhalten enthalten.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Nutzt ein Modell eines anderen Anbieters
  3. Privacy-Angriffe

    Mit gezielten Abfragen lassen sich personenbezogene und schutzbedürftige Trainingsdaten teilweise aus dem Modell zurückgewinnen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
  4. RAG-spezifische Angriffe (Document Poisoning)

    Was in die abrufbare Wissenssammlung gelangt, kann Antworten und nächste Schritte beeinflussen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Durchsucht eine eigene Sammlung von Dokumenten

Je nach Aufbau Ihres Systems kommen bis zu 10 weitere hinzu. Neun Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System. Zwei davon sind hier besonders wichtig und stehen deshalb oben.

Systemmerkmale und offene Fragen

Jedes Ja setzt weitere Bedrohungen auf Ihre Prüfliste, insgesamt bis zu 10. Können Sie eine Frage noch nicht beantworten, prüfen Sie die Bedrohungen mit.

Wie viele Bedrohungen bei Ja hinzukommen
  • Kommt mit diesem Ja hinzu
  • Braucht zusätzlich ein Ja auf eine andere Frage

Wie Ihr System gebaut ist

  1. Lernt aus Ihren eigenen Daten1 Bedrohung, 1 weitere nur zusammen mit weiteren Merkmalen
  2. Verändert Daten oder löst Vorgänge aus1 Bedrohung
  3. Verarbeitet vertrauliche Daten1 Bedrohung
  4. Verwertet Rückmeldungen aus dem Betrieb1 Bedrohung

Wie Ihr System gebaut ist

Kann das System selbst etwas verändern, etwa Daten speichern, Nachrichten senden, Buchungen auslösen oder Rechte vergeben?

Je nach Behörde löst ein Treffer selbst ein Verwarnungsgeld aus oder eine Kontrollkraft bestätigt ihn erst.

Wenn ja, kommt hinzu

Verarbeitet das System vertrauliche Informationen, etwa Geschäftsgeheimnisse, Gesundheits- oder Finanzdaten?

Gespeicherte Orts- und Zeitangaben ergeben Bewegungsprofile, und Fahndungsbestände sind vertraulich.

Wenn ja, kommt hinzu

Fließen Rückmeldungen oder Ergebnisse aus dem Betrieb später in Auswertung oder Training ein?

Wenn ja, kommt hinzu

Wie Sie das System betreiben

Diese Fragen stellen sich bei fast jedem KI-System.

Können Inhalte die eigene Umgebung verlassen, etwa zu einem Cloud-Anbieter, in eine Websuche oder per E-Mail?

Wenn ja, kommt hinzu

Maßnahmen und Umsetzung

Maßnahmen zu den Prüfschwerpunkten sind direkt geöffnet. Die verlinkten Maßnahmen erläutern jeweils die Umsetzung.

Maßnahmen gegen die übrigen Bedrohungen finden Sie auf deren Seiten im Bedrohungskatalog.

Vorschriften der KI-Verordnung

Wann die Vorschriften der KI-Verordnung gelten
  1. Art. 4: KI-Kompetenz

    Für jedes KI-System Gilt seit dem 2. Februar 2025.

  2. Anhang III Nr. 6: Strafverfolgung

    Je nach Einsatz Prüfanlass ab dem 2. Dezember 2027.

Gilt für jedes KI-System

Art. 4: KI-Kompetenz

Greift, wenn Beschäftigte oder Beauftragte KI-Systeme betreiben oder nutzen.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 4: KI-Kompetenz
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Kann bei bestimmtem Einsatz greifen

Anhang III Nr. 6: Strafverfolgung

Greift, wenn die Polizei die Treffer nutzt, um Personen in einem Ermittlungsverfahren zu bewerten oder Beweismittel einzuschätzen.

Gilt ab dem 2. Dezember 2027.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 6: Strafverfolgung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn Strafverfolgungsbehörden oder Stellen in ihrem Auftrag das System einsetzen, etwa um Beweismittel oder Personen einzuschätzen.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Greift in der Regel nicht

Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung

Das System liest die Kennzeichen von Fahrzeugen und wertet keine biometrischen Merkmale von Personen aus.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System Personen aus der Ferne anhand biometrischer Merkmale identifiziert.
Ausnahme
Systeme, die nur bestätigen, dass eine Person die ist, die sie zu sein angibt.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Ihr System im Schnellprüfer einordnen Alle Pflichten im Pflichtenkompass

Übergreifende Bedrohungen

Diese Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System, egal wofür es eingesetzt wird.

Warum diese Bedrohungen immer dazugehören

Abweichende Systemmerkmale

17 weitere Fragen ansehen

Trifft eine dieser Fragen bei Ihrem System doch zu, kommen die genannten Bedrohungen hinzu.

Quellen

Verwandte Anwendungsfälle

Ebenfalls im Einsatzgebiet Verwaltung, Justiz und Sicherheit

Stand: 30. September 2026. Regelwerk der Prüfliste in Fassung 0.3.2, Bedrohungskatalog in Fassung 2026.10.24.2. Wie diese Seiten aufgebaut sind