Versatile AI Risk Assessment

KI-Bedrohungskatalog Datenschutz und Datenabfluss Produktion

Cross-Tenant-Leakage (Multi-Tenant Vector-DB)

Bei KI-Plattformen, die mehrere Kunden auf gemeinsamer Infrastruktur bedienen, können Daten des einen Kunden in den Antworten eines anderen auftauchen, wenn die Mandantentrennung im gemeinsamen Wissensspeicher lückenhaft ist.

Stand: Oktober 2026 · Katalogversion 2026.10.24.2 · 6 Gegenmaßnahmen · 10 belegte Quellen

Beschreibung

Viele KI-Anwendungen schlagen Wissen per RAG (Retrieval Augmented Generation, dem Nachschlagen in einer angebundenen Wissensbasis) nach und speichern Texte dafür als Zahlenfolgen (Embeddings) in einer Vektordatenbank. Bedient eine Plattform mehrere Mandanten, also Kunden oder Abteilungen auf derselben Infrastruktur, müssen Filter und Berechtigungen bei jeder Anfrage sauber trennen, wessen Dokumente durchsucht werden. Fehlen diese Filter oder sind Speicherbereiche falsch konfiguriert, liefert die Suche eines Mandanten Textabschnitte eines anderen zurück, und das Modell webt sie in seine Antwort ein. Das geschieht teils schon im Normalbetrieb; Angreifer provozieren es mit gezielten Anfragen. Embeddings selbst schützen nicht, denn der Ursprungstext lässt sich daraus weitgehend rekonstruieren.

Mögliche Auswirkung

Vertrauliche Unterlagen eines Kunden werden gegenüber einem anderen offengelegt; das verletzt vertragliche Vertraulichkeitszusagen und bei personenbezogenen Daten die DSGVO, inklusive Meldepflichten und Bußgeldrisiko. Für die betroffenen Personen bedeutet das: Ihre Daten gelangen an unbefugte Dritte. Für den Betreiber steht das Kundenvertrauen in die gesamte Plattform auf dem Spiel.

Beispiel

Ein Software-Anbieter betreibt einen KI-Assistenten für viele Firmenkunden auf einer gemeinsamen Vektordatenbank. Ein fehlender Mandantenfilter führt dazu, dass die Frage eines Kunden nach Vertragskonditionen Passagen aus dem hochgeladenen Vertrag eines anderen Kunden in die Antwort holt.

Empfohlene Gegenmaßnahmen (6)

Vergleichen Sie Wirkung und Umsetzungsebene. Die ergänzende Einordnung und Begründung können Sie bei Bedarf aufklappen.

  • Strenge Tenant-Isolation in der Vector-DB

    Technisch
    Wirkung
    Präventiv, Schadensbegrenzend
    Umsetzungsebene
    Daten, Infrastruktur
    Einordnung und Begründung

    Primär technisch: Architektur- und Laufzeitgrenzen trennen Daten, Ausführung oder Mandanten und begrenzen die Fehlerausbreitung.

  • Tenant-spezifische Namespaces / Partitionen

    Technisch
    Wirkung
    Präventiv, Schadensbegrenzend
    Umsetzungsebene
    Daten, Infrastruktur
    Einordnung und Begründung

    Primär technisch: Architektur- und Laufzeitgrenzen trennen Daten, Ausführung oder Mandanten und begrenzen die Fehlerausbreitung.

  • Query-Scoping zum Retrieval-Zeitpunkt

    Technisch
    Wirkung
    Präventiv
    Umsetzungsebene
    Daten, Anwendung, API & Agenten
    Einordnung und Begründung

    Primär technisch: Maschinell erzwungene Identitäts-, Berechtigungs- oder Bereichsregeln begrenzen unzulässige Zugriffe und Aktionen.

  • Verschlüsselung at rest pro Tenant

    Technisch
    Wirkung
    Präventiv, Schadensbegrenzend
    Umsetzungsebene
    Daten, Infrastruktur
    Einordnung und Begründung

    Primär technisch: Kryptografische oder maschinenprüfbare Merkmale sichern Vertraulichkeit, Integrität oder Herkunft.

  • Zugriffskontroll-Tests tenantübergreifend

    Technisch
    Wirkung
    Aufdeckend
    Umsetzungsebene
    Daten, Anwendung, API & Agenten, Infrastruktur, Nutzung & Betrieb
    Einordnung und Begründung

    Ergänzende MaßnahmenartOrganisatorisch & prozessual

    Primär technisch: Software oder Analysewerkzeuge erzeugen und bewerten systematisch Messwerte, Abweichungen oder Angriffsindikatoren; ergänzt durch verbindliche Abläufe.

  • Audit-Logs für Retrieval-Operationen

    Technisch
    Wirkung
    Aufdeckend
    Umsetzungsebene
    Daten, Anwendung, API & Agenten, Nutzung & Betrieb
    Einordnung und Begründung

    Ergänzende MaßnahmenartOrganisatorisch & prozessual

    Primär technisch: Software oder Analysewerkzeuge erzeugen und bewerten systematisch Messwerte, Abweichungen oder Angriffsindikatoren; ergänzt durch verbindliche Abläufe.

Standard-Zuordnungen

Verifizierte Fundstellen in OWASP, NIST AI RMF, MITRE ATLAS, EU AI Act und weiteren Rahmenwerken. Die Zuordnungen zeigen fachliche Bezüge. Sie belegen nicht, dass ein System die jeweiligen Anforderungen erfüllt.

Belegte Referenzen (10)

Jede Referenz nennt Rahmenwerk, Fundstelle und die herausgebende Organisation.

Pflichten der KI-Verordnung zu dieser Bedrohung

Die Pflichten aus dem Pflichtenkompass, deren Artikel der Katalog dieser Bedrohung zuordnet. Jede führt auf ihren Eintrag mit Kern, Handlungsschritt und Nachweis; ob sie Sie trifft, hängt von Rolle und Risikoklasse ab.

  • Risikomanagementsystem einrichten und betreiben Art. 9 · gilt ab Anhang III: 2. Dezember 2027 · Anhang I: 2. August 2028

    Gesetzliche Rollen: Anbieter, Produkthersteller. Klassen: Hochrisiko nach Anhang III, Hochrisiko als Produkt oder Sicherheitsbauteil.

    Der Verweis ist ein Prüfanlass. Ein Bedrohungstreffer allein begründet keine Anwendbarkeit.

Alle 62 Pflichten nach Rolle, Risikoklasse und Frist im Pflichtenkompass

Begriffe auf dieser Seite

Fachbegriffe aus dem Glossar, die in diesem Eintrag vorkommen. Jeder Verweis führt zur vollständigen Erklärung.

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Passende Anwendungsfälle

Die Liste zeigt, wo Sie diese Bedrohung prüfen, nicht wie hoch das Risiko ist.

Besonders wichtig bei:

  • KI-Assistent in BüroanwendungenIn der Dateiablage sind Ordner mit Personal- oder Vorstandsunterlagen versehentlich für alle freigegeben. Der Assistent findet sie und gibt ihren Inhalt an jeden weiter, der danach fragt.
  • Polizeiliche Datenanalyse (Analyseplattformen)Die Plattform legt Daten aus Verfahren zusammen, auf die nicht jede Ermittlerin zugreifen darf. Greift die Rechteprüfung bei Suche oder Graph nicht, sieht sie Personen und Vorgänge aus fremden Verfahren.

Bei 6 weiteren Anwendungsfällen hängt es vom Aufbau des Systems ab, etwa davon, ob es Dokumente mehrerer Berechtigungsgruppen in einem Suchspeicher hält oder eine eigene Sammlung von Dokumenten durchsucht. Diese Anwendungsfälle zeigen

Häufige Fragen

Worum geht es bei dieser Bedrohung?
Bei KI-Plattformen, die mehrere Kunden auf gemeinsamer Infrastruktur bedienen, können Daten des einen Kunden in den Antworten eines anderen auftauchen, wenn die Mandantentrennung im gemeinsamen Wissensspeicher lückenhaft ist.
Welche Gegenmaßnahmen nennt der Katalog?
Der Katalog nennt 6 Gegenmaßnahmen, jede mit Maßnahmenart, Wirkung und Umsetzungsebene. Beispiele sind: Strenge Tenant-Isolation in der Vector-DB, Tenant-spezifische Namespaces / Partitionen und Query-Scoping zum Retrieval-Zeitpunkt. Die Reihenfolge ist keine Priorisierung.
Welche Pflichten der KI-Verordnung können relevant sein?
Der Katalog ordnet diese Bedrohung Art. 9 der EU-KI-Verordnung zu. Daraus folgen im Pflichtenkompass: Risikomanagementsystem einrichten und betreiben. Ob eine Pflicht gilt, entscheiden Rolle, Risikoklasse und Frist.

Diese Bedrohung im eigenen System bewerten

Die Live-Demo enthält alle 52 Bedrohungen dieses Katalogs sowie die Einordnung nach der EU-KI-Verordnung und die Datenschutzprüfung. Die kostenlosen Einzelmodule decken KI-Risiko, EU-KI-VO und DSGVO ab. Ohne Registrierung; die Bewertung läuft lokal in Ihrem Browser.

Diesen Eintrag zitieren

Für Berichte, Richtlinien oder interne Unterlagen; der Link führt direkt auf diesen Eintrag.

„Cross-Tenant-Leakage (Multi-Tenant Vector-DB)“. Versatile AI Risk Assessment, KI-Bedrohungskatalog, Stand Oktober 2026.
https://www.versatile-ai-risk-assessment.com/wissensbasis/bedrohungen/cross-tenant-leakage/

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