Versatile AI Risk Assessment
Verwaltung, Justiz und Sicherheit

Sprach- und Dialekterkennung im Asylverfahren

Englisch: Language and dialect identification in asylum procedures

Aus einer kurzen Sprachprobe schätzt das System, welche Sprache und welchen Dialekt eine asylsuchende Person wahrscheinlich spricht.

Interaktives Modell erkunden

Handout exportieren

Eine kompakte PDF mit Funktionsweise, Datenwegen und Prüfansätzen zum Weitergeben.

Die Erläuterungen und Maßnahmen beschreiben den typischen Aufbau. Viele eigene Änderungen ergänzen einen Anhang.

Den Anwendungsfall verstehen

Was macht diesen Anwendungsfall aus?

Es gibt Wahrscheinlichkeiten für Sprachen und Dialekte aus, als Hinweis darauf, ob die Angaben zur Herkunft stimmig sind, nicht als Nachweis. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nennt das Verfahren Dialekterkennungssoftware (DIAS) und zählt es zur Sprachbiometrie.

Die Seite beschreibt einen typischen Aufbau. Die tatsächlichen Datenwege und Befugnisse ergeben sich aus Ihrer Umsetzung.

Bauform
Auswertung und Verarbeitung
Handlungsmacht
Handlungsrechte je nach Einbindung
Einsatzfelder
Migrationsverwaltung
Auch bekannt als
Sprachbiometrie, DIAS

Funktionsweise und Ablauf

Aufbau und Datenwege

  1. Eingabedaten

    Die asylsuchende Person spricht eine kurze Sprachprobe, die aufgezeichnet wird.

    Die Sprachprobe spricht die asylsuchende Person selbst, und sie bestimmt, wie sie spricht. Die Sprachprobe ist einer bestimmten Person und ihrem Asylverfahren zugeordnet.

  2. Verarbeitung

    Das Modell vergleicht Aussprache und Klang mit den gelernten Sprachen und Dialekten.

    Das Modell analysiert sprachliche oder akustische Merkmale einer Aufnahme und ordnet sie einer Sprache oder Dialektgruppe zu. Die Zuordnung hängt vom trainierten Kategoriensystem und den verfügbaren Vergleichsdaten ab. Eine sprachliche Einordnung allein weist weder Staatsangehörigkeit noch individuelle Herkunft nach.

  3. Ergebnisse

    Das Modell nennt Wahrscheinlichkeiten für die erkannten Sprachen und Dialekte.

    Das Ergebnis beschreibt die definierte Modellaufgabe. Ein Treffer, eine Kategorie oder eine Prognose erhält seine fachliche Bedeutung erst zusammen mit den zugrunde liegenden Daten und dem vorgesehenen Verwendungszweck.

  4. Nutzung und Auswirkungen

    Das Ergebnis kommt als Hinweis in die Akte und kann beeinflussen, wie die Anhörung verläuft und wie die Angaben zur Herkunft eingeschätzt werden.

    Die Einbindung bestimmt, ob das Ergebnis lediglich angezeigt, nach Freigabe übernommen oder direkt in ein Fachverfahren geschrieben wird. Diese Varianten unterscheiden sich in ihren Datenwegen und Befugnissen.

Aufbau aktiv erkunden: Wählen Sie einen Baustein, um seine Aufgabe, die ein- und ausgehenden Daten und die Einbindung im Anwendungsfall zu sehen. Der geführte Ablauf erläutert jede Phase. Mit Ja, Offen und Nein können Sie anschließend Ihre konkrete Systemvariante abbilden.

So ist das System aufgebaut

6 zuerst zu prüfen10 zu klären7 Grundlagen

EingangVerarbeitungErgebnisWirkung Zugangvon außen 04 Eingabe 40 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 02 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 12 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01 Zugangvon außen 04 Eingabe 40 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 02 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 12 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01
  • Vorhanden
  • Hängt von Ihrem System ab
  • Nicht vorhanden
  • Zuerst zu prüfen
  • Zu klären

Im gezeigten Aufbau: 6 zuerst zu prüfen, 10 zu klären, 7 Grundlagen.

Aufbau als Liste

Abgrenzung zu ähnlichen Anwendungsfällen

Daten und Informationen

Eingabedaten und Informationsquellen

Die Sprachprobe spricht die asylsuchende Person selbst, und sie bestimmt, wie sie spricht. Die Sprachprobe ist einer bestimmten Person und ihrem Asylverfahren zugeordnet.

Verarbeitung und Betriebsumgebung

Das Modell verarbeitet die Eingaben. Ob es intern oder bei einem Dienstleister läuft, muss für die konkrete Umsetzung geklärt werden.

Speicherung und weitere Nutzung

Protokollierung, Speicherfristen und eine mögliche Verwendung für Training müssen für die konkrete Umsetzung geklärt werden.

Ergebnisse und Datenweitergabe

Je nach Verfahren geht das Ergebnis direkt in die Akte oder erst nach Prüfung durch Beschäftigte.

Ein eingebundener Anbieter legt den Verarbeitungsort nicht automatisch fest. Speicherort, Unterauftragnehmer, Löschfristen und die Nutzung für Training sind im konkreten Betrieb zu prüfen.

Risiken einordnen und Maßnahmen festlegen

Vom Systemverständnis zur Risikoanalyse

  1. System abgrenzen

    Daten, Beteiligte, Schnittstellen und Rechte erfassen. Offene Merkmale im Modell klären.

  2. Bedrohungen untersuchen

    Prüfkandidaten auf die tatsächlichen Datenwege beziehen: Was könnte passieren und wer wäre betroffen?

  3. Risiko bewerten

    Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeit im Einsatzkontext bewerten. Die Anzahl der Prüfkandidaten ist kein Risikowert.

  4. Maßnahmen nachweisen

    Geeignete Kontrollen auswählen, Verantwortliche und Wirksamkeitsprüfungen festlegen. Restrisiken und Freigaben dokumentieren.

Wichtige Bedrohungen im Anwendungskontext

  • 3 besonders wichtig
  • 3 üblich
  • 10 je nach System
  • 7 weitere bei jedem KI-System

Insgesamt kommen bei diesem Anwendungsfall 23 Bedrohungen aus dem Bedrohungskatalog infrage.

Außerdem prüfen: ob das System Gruppen benachteiligt

Prüfen Sie, ob Auswahl, Rangfolge oder Bewertung Menschen mit geschützten Merkmalen benachteiligen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Vorrangige Prüfansätze

  1. Übermäßiges Vertrauen in das KI-System

    Eine Wahrscheinlichkeit für einen Dialekt sieht wie ein Messwert aus, sagt aber nichts darüber, wo jemand aufgewachsen ist. Gilt sie als Beweis, wirkt eine Person, deren Sprache von mehreren Regionen geprägt ist, schnell unglaubwürdig.

  2. Gezielte Datenvergiftung / Label-Vergiftung

    Das Modell übernimmt, wie Menschen Sprachproben den Dialekten zugeordnet haben. Sind Dialekte in den Lerndaten falsch zugeordnet oder kaum vertreten, ordnet das System alle, die sie sprechen, falsch ein.

  3. Adversariale Eingaben

    Die Person bestimmt selbst, wie sie in der Sprachprobe spricht. Wer einen anderen Dialekt nachahmt oder Hintergrundgeräusche zulässt, kann das Ergebnis in eine gewünschte Richtung lenken.

3 weitere Prüfkandidaten im typischen Aufbau

Weitere relevante Bedrohungen

  1. Privacy-Angriffe

    Mit gezielten Abfragen lassen sich personenbezogene und schutzbedürftige Trainingsdaten teilweise aus dem Modell zurückgewinnen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
  2. Offenlegung sensibler Informationen

    Vertrauliche Inhalte können in Antworten, im mitgegebenen Kontext oder in Protokollen auftauchen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
  3. Exfiltration aus der ML-Anwendung

    Schutzbedürftige Daten können über Werkzeuge, Netzverbindungen, Speicher oder Innentäter abfließen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet vertrauliche Daten

Je nach Aufbau Ihres Systems kommen bis zu 10 weitere hinzu. Neun Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System. Zwei davon sind hier besonders wichtig und stehen deshalb oben.

Systemmerkmale und offene Fragen

Jedes Ja setzt weitere Bedrohungen auf Ihre Prüfliste, insgesamt bis zu 10. Können Sie eine Frage noch nicht beantworten, prüfen Sie die Bedrohungen mit.

Wie viele Bedrohungen bei Ja hinzukommen
  • Kommt mit diesem Ja hinzu
  • Braucht zusätzlich ein Ja auf eine andere Frage

Wie Ihr System gebaut ist

  1. Lernt aus Ihren eigenen Daten2 Bedrohungen, 1 weitere nur zusammen mit weiteren Merkmalen
  2. Verändert Daten oder löst Vorgänge aus1 Bedrohung
  3. Nutzt ein Modell eines anderen Anbieters1 Bedrohung
  4. Verwertet Rückmeldungen aus dem Betrieb1 Bedrohung

Wie Ihr System gebaut ist

Kann das System selbst etwas verändern, etwa Daten speichern, Nachrichten senden, Buchungen auslösen oder Rechte vergeben?

Je nach Verfahren geht das Ergebnis direkt in die Akte oder erst nach Prüfung durch Beschäftigte.

Wenn ja, kommt hinzu

Stammt das Modell oder sein Grundmodell von einem anderen Anbieter, auch wenn es bei Ihnen läuft?

Wenn ja, kommt hinzu

Fließen Rückmeldungen oder Ergebnisse aus dem Betrieb später in Auswertung oder Training ein?

Wenn ja, kommt hinzu

Wie Sie das System betreiben

Diese Fragen stellen sich bei fast jedem KI-System.

Maßnahmen und Umsetzung

Maßnahmen zu den Prüfschwerpunkten sind direkt geöffnet. Die verlinkten Maßnahmen erläutern jeweils die Umsetzung.

Maßnahmen gegen die übrigen Bedrohungen finden Sie auf deren Seiten im Bedrohungskatalog.

Vorschriften der KI-Verordnung

Wann die Vorschriften der KI-Verordnung gelten
  1. Art. 4: KI-Kompetenz

    Für jedes KI-System Gilt seit dem 2. Februar 2025.

  2. Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle

    Bei typischem Einsatz Prüfanlass ab dem 2. Dezember 2027.

Gilt für jedes KI-System

Art. 4: KI-Kompetenz

Greift, wenn Beschäftigte oder Beauftragte KI-Systeme betreiben oder nutzen.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 4: KI-Kompetenz
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Kann beim üblichen Einsatz greifen

Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle

Greift, wenn eine Behörde das Ergebnis bei der Prüfung eines Asylantrags nutzt, etwa um die Angaben zur Herkunft zu überprüfen.

Gilt ab dem 2. Dezember 2027.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System bei der Prüfung von Asyl-, Visa- oder Aufenthaltsanträgen oder bei Grenzkontrollen eingesetzt wird.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Ihr System im Schnellprüfer einordnen Alle Pflichten im Pflichtenkompass

Übergreifende Bedrohungen

Diese Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System, egal wofür es eingesetzt wird.

Warum diese Bedrohungen immer dazugehören

Abweichende Systemmerkmale

18 weitere Fragen ansehen

Trifft eine dieser Fragen bei Ihrem System doch zu, kommen die genannten Bedrohungen hinzu.

Quellen

  • Behörde, Gericht oder Parlament

    Deutscher Bundestag, hib 887/2023

    Die Bundesregierung berichtet über den Einsatz der Dialekterkennung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

  • Weitere Quelle

    AlgorithmWatch, Kontroverse Dialekterkennung beim BAMF

    AlgorithmWatch bestätigt die Bezeichnungen Dialekterkennungssoftware (DIAS) und Sprachbiometrie des Bundesamts und berichtet über das europäische Pilotprojekt.

  • Rechtsakt, Norm oder Standard

    KI-Verordnung, Anhang III Nr. 7

    Die Verordnung nennt KI-Systeme, die bei der Prüfung von Asyl- und Visumanträgen eingesetzt werden, ausdrücklich in Anhang III.

Verwandte Anwendungsfälle

Ebenfalls im Einsatzgebiet Verwaltung, Justiz und Sicherheit

Oft zusammen eingesetzt mit

Stand: 30. September 2026. Regelwerk der Prüfliste in Fassung 0.3.2, Bedrohungskatalog in Fassung 2026.10.24.2. Wie diese Seiten aufgebaut sind