KI-Bedrohungskatalog Anwendungs- und Integrationssicherheit Produktion
Unsicheres Tool-Design
Viele KI-Anwendungen handeln selbst, indem sie über angebundene Werkzeuge (Tools) E-Mails versenden oder Datenbanken abfragen. Sind diese Werkzeuge zu mächtig oder schlecht abgesichert, lösen Angreifer über das Modell nie vorgesehene Aktionen aus.
Beschreibung
Werkzeuge sind Funktionen oder Plugins, die ein KI-Modell aufrufen darf, um Aufgaben zu erledigen. Die Schwachstelle entsteht beim Entwurf: Ein Werkzeug erhält mehr Rechte als nötig (Überprivilegierung), prüft übergebene Eingaben nicht streng genug oder bietet unsichere Schnittstellen wie direkten Zugriff auf die Kommandozeile. Angreifer nutzen das aus, indem sie das Modell mit manipulierten Eingaben, etwa einer Prompt Injection (in verarbeitete Texte eingeschleuste Anweisungen), zu Werkzeugaufrufen bewegen. Das Werkzeug führt die Aktion aus, weil es dem Modell vertraut. Da Werkzeuge oft Zugriffe besitzen, die Nutzern direkt verwehrt sind, verschaffen sie Angreifern zusätzliche Rechte.
Mögliche Auswirkung
Angreifer lösen unautorisierte Aktionen mit unmittelbarer Wirkung aus: Sie lesen, verändern oder löschen Daten, versenden E-Mails, stoßen Buchungen an oder führen Code aus. Eine einzige manipulierte Eingabe wirkt so bis in angebundene Geschäftssysteme hinein. Betroffen sind Betrieb, Datenschutz und Haftung des Unternehmens, bei personenbezogenen Daten auch Pflichten nach der DSGVO.
Beispiel
Ein E-Mail-Assistent soll Posteingänge nur zusammenfassen, darf über sein Werkzeug aber auch Nachrichten versenden. Eine präparierte eingehende E-Mail weist das Modell an, vertrauliche Korrespondenz weiterzuleiten; das Werkzeug führt den Versand an die fremde Adresse aus.
Empfohlene Gegenmaßnahmen (5)
Vergleichen Sie Wirkung und Umsetzungsebene. Die ergänzende Einordnung und Begründung können Sie bei Bedarf aufklappen.
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Prinzip der geringsten Rechte für Tools
Technisch- Wirkung
- Präventiv, Schadensbegrenzend
- Umsetzungsebene
- Anwendung, API & Agenten
Einordnung und Begründung
Ergänzende MaßnahmenartGovernance & Compliance
Primär technisch: Maschinell erzwungene Identitäts-, Berechtigungs- oder Bereichsregeln begrenzen unzulässige Zugriffe und Aktionen; ergänzt durch Regeln und Aufsicht.
-
Strenge Eingabevalidierung in Tool-Implementierungen
Technisch- Wirkung
- Präventiv
- Umsetzungsebene
- Anwendung, API & Agenten
Einordnung und Begründung
Primär technisch: Systemseitige Prüf-, Transformations- oder Blockierregeln stoppen oder neutralisieren unzulässige Inhalte vor der Weiterverarbeitung.
-
Sandboxing und Isolation
Technisch- Wirkung
- Präventiv, Schadensbegrenzend
- Umsetzungsebene
- Anwendung, API & Agenten, Infrastruktur
Einordnung und Begründung
Primär technisch: Architektur- und Laufzeitgrenzen trennen Daten, Ausführung oder Mandanten und begrenzen die Fehlerausbreitung.
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Human-in-the-loop bei sensiblen Operationen
Organisatorisch & prozessual- Wirkung
- Präventiv
- Umsetzungsebene
- Anwendung, API & Agenten, Nutzung & Betrieb
Einordnung und Begründung
Ergänzende MaßnahmenartMensch & Kompetenz
Primär organisatorisch & prozessual: Ein verbindlicher Arbeitsablauf verlangt vor Nutzung oder Ausführung eine verantwortliche menschliche Entscheidung; ergänzt durch Fachwissen und Urteil.
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Umfassendes Security-Review für Tools
Organisatorisch & prozessual- Wirkung
- Aufdeckend
- Umsetzungsebene
- Anwendung, API & Agenten, Organisation, Nutzung & Betrieb
Einordnung und Begründung
Ergänzende MaßnahmenartGovernance & Compliance
Primär organisatorisch & prozessual: Ein geplanter, wiederholbarer Prüfablauf mit Zuständigkeit und Nachverfolgung erzeugt die Schutzwirkung; ergänzt durch Regeln und Aufsicht.
Standard-Zuordnungen
Verifizierte Fundstellen in OWASP, NIST AI RMF, MITRE ATLAS, EU AI Act und weiteren Rahmenwerken. Die Zuordnungen zeigen fachliche Bezüge. Sie belegen nicht, dass ein System die jeweiligen Anforderungen erfüllt.
Belegte Referenzen (9)
Jede Referenz nennt Rahmenwerk, Fundstelle und die herausgebende Organisation.
- OWASP LLM Top 10 ASI02:2026 Tool Misuse and ExploitationASI02 Tool Misuse and Exploitation, pp. 12–14 of the official PDF OWASP FoundationOriginal
- OWASP LLM Top 10 LLM03:2026 Excessive AgencyLLM03:2026 Excessive Agency, OWASP Top 10 for LLM Applications 2026 v1.0, pp. 23-26 (doi:10.5281/zenodo.22109015); canonical text 2026/final/LLM03_ExcessiveAgency.md at commit 7e144e05 OWASP FoundationOriginal
- OWASP LLM Top 10 LLM10:2026 Improper Output HandlingLLM10:2026 Improper Output Handling, OWASP Top 10 for LLM Applications 2026 v1.0, pp. 55-57 (doi:10.5281/zenodo.22109015); canonical text 2026/final/LLM10_ImproperOutputHandling.md at commit 7e144e05 OWASP FoundationOriginal
- NIST AI RMF Abschnitt 2.9 Information SecurityAbschnitt 2.9, pp. 10–11 National Institute of Standards and Technology (NIST)Original
- NIST AI RMF Abschnitt 3.5 Security of AgentsAbschnitt 3.5, p. 54 National Institute of Standards and Technology (NIST)Original
- MITRE ATLAS AML.T0053 AI Agent Tool InvocationATLAS-2026.09.yaml technique object with id AML.T0053 (content release 2026.09, format-version 6.0.0) MITREOriginal
- EU AI Act Article 14(4)(d) Human oversightArticle 14(4)(d) European Union (EUR-Lex)Original
- EU AI Act Article 9(1), 9(2)(a), 9(2)(d) Risk management systemArticle 9(1), 9(2)(a), 9(2)(d), read with Article 9(3) European Union (EUR-Lex)Original
- BSI R28 Indirect Prompt Injections (Text)Kap. 4, R28, p. 33 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)Original
Pflichten der KI-Verordnung zu dieser Bedrohung
Die Pflichten aus dem Pflichtenkompass, deren Artikel der Katalog dieser Bedrohung zuordnet. Jede führt auf ihren Eintrag mit Kern, Handlungsschritt und Nachweis; ob sie Sie trifft, hängt von Rolle und Risikoklasse ab.
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Risikomanagementsystem einrichten und betreiben
Art. 9 · gilt ab Anhang III: 2. Dezember 2027 · Anhang I: 2. August 2028
Gesetzliche Rollen: Anbieter, Produkthersteller. Klassen: Hochrisiko nach Anhang III, Hochrisiko als Produkt oder Sicherheitsbauteil.
Der Verweis ist ein Prüfanlass. Ein Bedrohungstreffer allein begründet keine Anwendbarkeit.
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Menschliche Aufsicht bei der Systemgestaltung berücksichtigen
Art. 14 · gilt ab Anhang III: 2. Dezember 2027 · Anhang I: 2. August 2028
Gesetzliche Rollen: Anbieter, Produkthersteller. Klassen: Hochrisiko nach Anhang III, Hochrisiko als Produkt oder Sicherheitsbauteil.
Der Verweis ist ein Prüfanlass. Ein Bedrohungstreffer allein begründet keine Anwendbarkeit.
Alle 62 Pflichten nach Rolle, Risikoklasse und Frist im Pflichtenkompass
Begriffe auf dieser Seite
Fachbegriffe aus dem Glossar, die in diesem Eintrag vorkommen. Jeder Verweis führt zur vollständigen Erklärung.
- Prompt Injection Manipulierte Eingaben oder eingeschleuste Inhalte steuern ein Sprachmodell um.
- Werkzeugaufruf (Tool Use) Das Modell ruft Funktionen und Dienste auf, statt nur Text zu erzeugen.
Verwandte Bedrohungen
Weitere Einträge aus der Themengruppe Anwendungs- und Integrationssicherheit.
Passende Anwendungsfälle
Die Liste zeigt, wo Sie diese Bedrohung prüfen, nicht wie hoch das Risiko ist.
Besonders wichtig bei:
- KI-AgentEin Werkzeug des Agenten nimmt beliebige Eingaben an und prüft nicht, wer den Aufruf auslöst. So erreicht der Agent Daten und Funktionen, die mit seiner Aufgabe nichts zu tun haben.
- Coding-AgentEin uneingeschränkter Terminalzugang erlaubt dem Agenten jeden Befehl, den auch die angemeldete Person ausführen darf. Fehlen eine abgeschottete Umgebung und eine Liste erlaubter Befehle, lässt sich ein Fehlgriff kaum begrenzen.
Bei 7 weiteren Anwendungsfällen hängt es vom Aufbau des Systems ab, etwa davon, ob es andere Programme oder Schnittstellen aufruft oder über das Model Context Protocol (MCP) angebunden ist. Diese Anwendungsfälle zeigen
Häufige Fragen
- Worum geht es bei dieser Bedrohung?
- Viele KI-Anwendungen handeln selbst, indem sie über angebundene Werkzeuge (Tools) E-Mails versenden oder Datenbanken abfragen. Sind diese Werkzeuge zu mächtig oder schlecht abgesichert, lösen Angreifer über das Modell nie vorgesehene Aktionen aus.
- Welche Gegenmaßnahmen nennt der Katalog?
- Der Katalog nennt 5 Gegenmaßnahmen, jede mit Maßnahmenart, Wirkung und Umsetzungsebene. Beispiele sind: Prinzip der geringsten Rechte für Tools, Strenge Eingabevalidierung in Tool-Implementierungen und Sandboxing und Isolation. Die Reihenfolge ist keine Priorisierung.
- Welche Pflichten der KI-Verordnung können relevant sein?
- Der Katalog ordnet diese Bedrohung Art. 9 und Art. 14 der EU-KI-Verordnung zu. Daraus folgen im Pflichtenkompass: Risikomanagementsystem einrichten und betreiben und Menschliche Aufsicht bei der Systemgestaltung berücksichtigen. Ob eine Pflicht gilt, entscheiden Rolle, Risikoklasse und Frist.
Diese Bedrohung im eigenen System bewerten
Die Live-Demo enthält alle 52 Bedrohungen dieses Katalogs sowie die Einordnung nach der EU-KI-Verordnung und die Datenschutzprüfung. Die kostenlosen Einzelmodule decken KI-Risiko, EU-KI-VO und DSGVO ab. Ohne Registrierung; die Bewertung läuft lokal in Ihrem Browser.
Diesen Eintrag zitieren
Für Berichte, Richtlinien oder interne Unterlagen; der Link führt direkt auf diesen Eintrag.
„Unsicheres Tool-Design“. Versatile AI Risk Assessment, KI-Bedrohungskatalog, Stand Oktober 2026. https://www.versatile-ai-risk-assessment.com/wissensbasis/bedrohungen/unsicheres-tool-design/