Versatile AI Risk Assessment
Personal und Bildung

Online-Proctoring

Englisch: Online exam proctoring

Über Kamera, Mikrofon und Bildschirm überwacht das System Prüflinge bei Online-Prüfungen und markiert mögliche Täuschungsversuche.

Interaktives Modell erkunden

Handout exportieren

Eine kompakte PDF mit Funktionsweise, Datenwegen und Prüfansätzen zum Weitergeben.

Die Erläuterungen und Maßnahmen beschreiben den typischen Aufbau. Viele eigene Änderungen ergänzen einen Anhang.

Den Anwendungsfall verstehen

Was macht diesen Anwendungsfall aus?

Es zeichnet Bild, Ton, Bildschirm und Eingaben auf und bewertet auffälliges Verhalten wie häufiges Wegschauen, eine Aufsichtsperson sieht sich die markierten Stellen an. Hochschulen lassen so Prüfungen zu Hause ablegen, Gerichte in Deutschland und den Niederlanden haben über solche Einsätze unterschiedlich entschieden.

Die Seite beschreibt einen typischen Aufbau. Die tatsächlichen Datenwege und Befugnisse ergeben sich aus Ihrer Umsetzung.

Bauform
Auswertung und Verarbeitung
Handlungsmacht
Handlungsrechte je nach Einbindung
Einsatzfelder
Hochschulen
Auch bekannt als
KI-gestützte Prüfungsaufsicht

Funktionsweise und Ablauf

Aufbau und Datenwege

  1. Eingabedaten

    Während der Prüfung kommen Kamerabild, Ton, Bildschirminhalt und Eingaben vom Rechner der Prüflinge.

    Bild, Ton und Bildschirm stammen vom Rechner der Prüflinge, die ihn selbst einrichten. Das System wertet Kamerabild, Ton, Bildschirm und Tastatureingaben zusammen aus.

  2. Verarbeitung

    Das System erkennt Gesicht und Blickrichtung, weitere Personen, Geräusche und den Wechsel in andere Programmfenster und bewertet das Verhalten.

    Das System verarbeitet während einer Prüfung erfasste Signale und markiert Ereignisse, die vom erwarteten Ablauf abweichen. Je nach Werkzeug werden etwa Bild-, Ton- oder Bedienereignisse ausgewertet. Eine Markierung ist zunächst ein Prüfhinweis; ihre Bedeutung ergibt sich erst aus der Sichtung und dem Prüfungskontext.

  3. Ergebnisse

    Jeder Prüfling erhält einen Wert, und auffällige Stellen der Aufzeichnung sind markiert.

    Das Ergebnis beschreibt die definierte Modellaufgabe. Ein Treffer, eine Kategorie oder eine Prognose erhält seine fachliche Bedeutung erst zusammen mit den zugrunde liegenden Daten und dem vorgesehenen Verwendungszweck.

  4. Nutzung und Auswirkungen

    Die Aufsicht prüft die markierten Stellen und entscheidet, ob ein Täuschungsversuch vorliegt und die Prüfung gewertet wird.

    Die Einbindung bestimmt, ob das Ergebnis lediglich angezeigt, nach Freigabe übernommen oder direkt in ein Fachverfahren geschrieben wird. Diese Varianten unterscheiden sich in ihren Datenwegen und Befugnissen.

Aufbau aktiv erkunden: Wählen Sie einen Baustein, um seine Aufgabe, die ein- und ausgehenden Daten und die Einbindung im Anwendungsfall zu sehen. Der geführte Ablauf erläutert jede Phase. Mit Ja, Offen und Nein können Sie anschließend Ihre konkrete Systemvariante abbilden.

So ist das System aufgebaut

7 zuerst zu prüfen9 zu klären8 Grundlagen

EingangVerarbeitungErgebnisWirkung Zugangvon außen 03 Eingabe 50 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 12 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 02 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01 Zugangvon außen 03 Eingabe 50 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 12 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 02 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01
  • Vorhanden
  • Hängt von Ihrem System ab
  • Nicht vorhanden
  • Zuerst zu prüfen
  • Zu klären

Im gezeigten Aufbau: 7 zuerst zu prüfen, 9 zu klären, 8 Grundlagen.

Aufbau als Liste

Abgrenzung zu ähnlichen Anwendungsfällen

Daten und Informationen

Eingabedaten und Informationsquellen

Bild, Ton und Bildschirm stammen vom Rechner der Prüflinge, die ihn selbst einrichten. Das System zeichnet Gesicht, Stimme, Namen und Prüfungsleistung der Prüflinge auf.

Verarbeitung und Betriebsumgebung

Hochschulen nutzen die Software eines Anbieters wie Proctorio.

Speicherung und weitere Nutzung

Protokollierung, Speicherfristen und eine mögliche Verwendung für Training müssen für die konkrete Umsetzung geklärt werden.

Ergebnisse und Datenweitergabe

Manche Systeme brechen eine Prüfung bei Verdacht selbst ab oder sperren den Zugang, andere markieren nur. Werden die Aufnahmen beim Anbieter ausgewertet, verlassen sie die Hochschule.

Ein eingebundener Anbieter legt den Verarbeitungsort nicht automatisch fest. Speicherort, Unterauftragnehmer, Löschfristen und die Nutzung für Training sind im konkreten Betrieb zu prüfen.

Risiken einordnen und Maßnahmen festlegen

Vom Systemverständnis zur Risikoanalyse

  1. System abgrenzen

    Daten, Beteiligte, Schnittstellen und Rechte erfassen. Offene Merkmale im Modell klären.

  2. Bedrohungen untersuchen

    Prüfkandidaten auf die tatsächlichen Datenwege beziehen: Was könnte passieren und wer wäre betroffen?

  3. Risiko bewerten

    Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeit im Einsatzkontext bewerten. Die Anzahl der Prüfkandidaten ist kein Risikowert.

  4. Maßnahmen nachweisen

    Geeignete Kontrollen auswählen, Verantwortliche und Wirksamkeitsprüfungen festlegen. Restrisiken und Freigaben dokumentieren.

Wichtige Bedrohungen im Anwendungskontext

  • 3 besonders wichtig
  • 4 üblich
  • 9 je nach System
  • 8 weitere bei jedem KI-System

Insgesamt kommen bei diesem Anwendungsfall 24 Bedrohungen aus dem Bedrohungskatalog infrage.

Außerdem prüfen: ob das System Gruppen benachteiligt

Prüfen Sie, ob Auswahl, Rangfolge oder Bewertung Menschen mit geschützten Merkmalen benachteiligen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Vorrangige Prüfansätze

  1. Multimodale Angriffe

    Prüflinge können eine virtuelle Kamera oder eine Aufnahme statt des Livebilds einspielen oder Hilfsmittel außerhalb des Bildausschnitts nutzen. Das System bewertet dann ein Bild, das mit der Prüfung nichts zu tun hat.

  2. Übermäßiges Vertrauen in das KI-System

    Die Aufsicht schaut vor allem auf die markierten Stellen und übernimmt den Verdacht. Wer wegen einer Behinderung, eines Kindes im Raum oder schlechter Beleuchtung auffällt, gerät so zu Unrecht unter Verdacht.

  3. Offenlegung sensibler Informationen

    Die Aufnahmen zeigen Wohnung, Mitbewohnerinnen und Mitbewohner und geöffnete Programme der Prüflinge. Gelangen sie in Protokolle oder zum Anbieter, werden private Umstände vieler Menschen bekannt.

4 weitere Prüfkandidaten im typischen Aufbau

Weitere relevante Bedrohungen

  1. Backdoor im ML-Modell

    Über Trainingsdaten oder ein übernommenes Grundmodell kann das Modell versteckte Auslöser für Fehlverhalten enthalten.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Nutzt ein Modell eines anderen Anbieters
  2. Denial-of-Service auf das Modell

    Aufwendige oder massenhafte Eingaben können die Rechenleistung des Modells erschöpfen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet Text, Bild und Sprache gemeinsam
  3. Privacy-Angriffe

    Mit gezielten Abfragen lassen sich personenbezogene und schutzbedürftige Trainingsdaten teilweise aus dem Modell zurückgewinnen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
    • Erkennt oder vergleicht Personen an Körpermerkmalen
  4. Exfiltration aus der ML-Anwendung

    Schutzbedürftige Daten können über Werkzeuge, Netzverbindungen, Speicher oder Innentäter abfließen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet vertrauliche Daten

Je nach Aufbau Ihres Systems kommen bis zu 9 weitere hinzu. Neun Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System. Eine davon ist hier besonders wichtig und steht deshalb oben.

Systemmerkmale und offene Fragen

Jedes Ja setzt weitere Bedrohungen auf Ihre Prüfliste, insgesamt bis zu 9. Können Sie eine Frage noch nicht beantworten, prüfen Sie die Bedrohungen mit.

Wie viele Bedrohungen bei Ja hinzukommen
  • Kommt mit diesem Ja hinzu
  • Braucht zusätzlich ein Ja auf eine andere Frage

Wie Ihr System gebaut ist

  1. Verwertet Rückmeldungen aus dem Betrieb2 Bedrohungen
  2. Lernt aus Ihren eigenen Daten1 Bedrohung, 1 weitere nur zusammen mit weiteren Merkmalen
  3. Verändert Daten oder löst Vorgänge aus1 Bedrohung
  4. Lernt aus Beispielen mit richtiger Antwort1 Bedrohung

Wie Ihr System gebaut ist

Kann das System selbst etwas verändern, etwa Daten speichern, Nachrichten senden, Buchungen auslösen oder Rechte vergeben?

Manche Systeme brechen eine Prüfung bei Verdacht selbst ab oder sperren den Zugang, andere markieren nur.

Wenn ja, kommt hinzu

Wird das Modell mit Beispielen trainiert, denen jemand die richtige Antwort zugeordnet hat?

Lernt die Verhaltensbewertung aus Aufzeichnungen mit bestätigten Täuschungsversuchen, haben Menschen die Lernbeispiele gekennzeichnet.

Wenn ja, kommt hinzu

Wie Sie das System betreiben

Diese Fragen stellen sich bei fast jedem KI-System.

Maßnahmen und Umsetzung

Maßnahmen zu den Prüfschwerpunkten sind direkt geöffnet. Die verlinkten Maßnahmen erläutern jeweils die Umsetzung.

Maßnahmen gegen die übrigen Bedrohungen finden Sie auf deren Seiten im Bedrohungskatalog.

Vorschriften der KI-Verordnung

Wann die Vorschriften der KI-Verordnung gelten
  1. Art. 4: KI-Kompetenz

    Für jedes KI-System Gilt seit dem 2. Februar 2025.

  2. Art. 5 Abs. 1 Buchst. e, f, g, h: Verbotene biometrische Praktiken

    Je nach Einsatz Prüfanlass seit dem 2. Februar 2025.

  3. Anhang III Nr. 3: Allgemeine und berufliche Bildung

    Bei typischem Einsatz Prüfanlass ab dem 2. Dezember 2027.

Gilt für jedes KI-System

Art. 4: KI-Kompetenz

Greift, wenn Beschäftigte oder Beauftragte KI-Systeme betreiben oder nutzen.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 4: KI-Kompetenz
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Kann beim üblichen Einsatz greifen

Anhang III Nr. 3: Allgemeine und berufliche Bildung

Greift, wenn das System Prüflinge bei Prüfungen überwacht und verbotenes Verhalten erkennen soll, etwa bei einer Prüfung an einer Hochschule oder einer Zertifizierungsprüfung.

Gilt ab dem 2. Dezember 2027.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 3: Allgemeine und berufliche Bildung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System über Zugang oder Zulassung entscheidet, Lernergebnisse bewertet, das Bildungsniveau einstuft oder Prüfungen beaufsichtigt.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Kann bei bestimmtem Einsatz greifen

Art. 5 Abs. 1 Buchst. e, f, g, h: Verbotene biometrische Praktiken

Greift, wenn das System in einer Bildungseinrichtung aus Gesicht oder Stimme auf Gefühle der Prüflinge schließt, etwa auf Nervosität oder Stress.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 5 Abs. 1 Buchst. e, f, g, h: Verbotene biometrische Praktiken
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System eines davon tut: Gesichtsbilder ungezielt aus dem Internet oder aus Videoaufnahmen sammeln, Gefühle am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen erkennen, Personen biometrisch nach sensiblen Merkmalen einordnen oder Personen im öffentlichen Raum zur Strafverfolgung in Echtzeit identifizieren.
Ausnahme
Gefühle am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen zu erkennen ist aus medizinischen Gründen und aus Sicherheitsgründen erlaubt. Für die Echtzeit-Identifizierung zur Strafverfolgung gibt es eng begrenzte Ausnahmen.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Einführer, Händler, Bevollmächtigter, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Greift in der Regel nicht

Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung

Die Identitätsprüfung zu Beginn bestätigt nur, dass die angemeldete Person teilnimmt. Eine solche Verifizierung nimmt Anhang III Nr. 1 Buchst. a aus.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System Personen aus der Ferne anhand biometrischer Merkmale identifiziert.
Ausnahme
Systeme, die nur bestätigen, dass eine Person die ist, die sie zu sein angibt.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Ihr System im Schnellprüfer einordnen Alle Pflichten im Pflichtenkompass

Übergreifende Bedrohungen

Diese Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System, egal wofür es eingesetzt wird.

Warum diese Bedrohungen immer dazugehören

Abweichende Systemmerkmale

16 weitere Fragen ansehen

Trifft eine dieser Fragen bei Ihrem System doch zu, kommen die genannten Bedrohungen hinzu.

Quellen

Verwandte Anwendungsfälle

Ebenfalls im Einsatzgebiet Personal und Bildung

Oft zusammen eingesetzt mit

Stand: 30. September 2026. Regelwerk der Prüfliste in Fassung 0.3.2, Bedrohungskatalog in Fassung 2026.10.24.2. Wie diese Seiten aufgebaut sind