Versatile AI Risk Assessment
Biometrie und Emotionserkennung

Biometrische Verifizierung und Video-Ident

Englisch: Biometric verification and remote identity proofing

Das System prüft, ob eine Person die ist, die sie zu sein angibt, etwa indem es ihr Livebild mit dem Foto im Ausweis vergleicht.

Interaktives Modell erkunden

Handout exportieren

Eine kompakte PDF mit Funktionsweise, Datenwegen und Prüfansätzen zum Weitergeben.

Die Erläuterungen und Maßnahmen beschreiben den typischen Aufbau. Viele eigene Änderungen ergänzen einen Anhang.

Den Anwendungsfall verstehen

Was macht diesen Anwendungsfall aus?

Die Person zeigt ihren Ausweis und ihr Gesicht in die Kamera. Das System vergleicht beide Bilder und prüft, ob ein Mensch vor der Kamera steht und kein Foto, keine Maske oder eingespieltes Video. Grenzkontrollen und Verwaltungsportale nutzen das, für Video-Ident gibt das BSI eine Technische Richtlinie heraus.

Die Seite beschreibt einen typischen Aufbau. Die tatsächlichen Datenwege und Befugnisse ergeben sich aus Ihrer Umsetzung.

Bauform
Auswertung und Verarbeitung
Handlungsmacht
Handlungsrechte je nach Einbindung
Einsatzfelder
Grenzkontrolle, digitale Verwaltung
Auch bekannt als
Gesichtsabgleich mit Ausweis, Liveness-Prüfung, Videoidentifizierung, eGate

Funktionsweise und Ablauf

Aufbau und Datenwege

  1. Eingabedaten

    Die Person legt ihren Ausweis vor oder fotografiert ihn und zeigt ihr Gesicht in die Kamera.

    Ausweis und Kamerabild legt die Person selbst vor, und das kann auch jemand sein, der sich als eine andere ausgibt. Beim Video-Ident prüft das System Livebild, Ausweisbild und oft Ton gemeinsam.

  2. Verarbeitung

    Das System prüft, ob ein lebender Mensch vor der Kamera steht, und vergleicht das Gesicht mit dem Lichtbild im Ausweis.

    Das System vergleicht ein erfasstes biometrisches Merkmal mit der Referenz einer behaupteten Identität. Anders als bei einer Suche im gesamten Personenbestand geht es um die Bestätigung dieses einzelnen Identitätsanspruchs. Eine Lebenderkennung kann ein zusätzlicher Prüfschritt sein, sofern sie eingebunden ist.

  3. Ergebnisse

    Das System meldet, ob beide Bilder dieselbe Person zeigen, meist mit einem Übereinstimmungswert.

    Das Ergebnis beschreibt die definierte Modellaufgabe. Ein Treffer, eine Kategorie oder eine Prognose erhält seine fachliche Bedeutung erst zusammen mit den zugrunde liegenden Daten und dem vorgesehenen Verwendungszweck.

  4. Nutzung und Auswirkungen

    Bei Übereinstimmung öffnet sich die Sperre, das Konto wird eröffnet oder die Anmeldung freigeschaltet, sonst prüft ein Mensch weiter.

    Die Einbindung bestimmt, ob das Ergebnis lediglich angezeigt, nach Freigabe übernommen oder direkt in ein Fachverfahren geschrieben wird. Diese Varianten unterscheiden sich in ihren Datenwegen und Befugnissen.

Aufbau aktiv erkunden: Wählen Sie einen Baustein, um seine Aufgabe, die ein- und ausgehenden Daten und die Einbindung im Anwendungsfall zu sehen. Der geführte Ablauf erläutert jede Phase. Mit Ja, Offen und Nein können Sie anschließend Ihre konkrete Systemvariante abbilden.

So ist das System aufgebaut

13 zuerst zu prüfen4 zu klären7 Grundlagen

EingangVerarbeitungErgebnisWirkung Zugangvon außen 50 Eingabe 50 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 11 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 11 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 10 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 00 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01 Zugangvon außen 50 Eingabe 50 InhalteDritter 00 KI-Modell 00 Dienst einesAnbieters 11 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 11 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 10 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 00 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01
  • Vorhanden
  • Hängt von Ihrem System ab
  • Nicht vorhanden
  • Zuerst zu prüfen
  • Zu klären

Im gezeigten Aufbau: 13 zuerst zu prüfen, 4 zu klären, 7 Grundlagen.

Aufbau als Liste

Abgrenzung zu ähnlichen Anwendungsfällen

Daten und Informationen

Eingabedaten und Informationsquellen

Ausweis und Kamerabild legt die Person selbst vor, und das kann auch jemand sein, der sich als eine andere ausgibt. Das System verarbeitet Gesichtsbild, Name und Ausweisdaten der Person.

Verarbeitung und Betriebsumgebung

Gesichtsabgleich und Lebenderkennung kaufen Betreiber in der Regel bei spezialisierten Anbietern ein, bei GOV.UK One Login etwa von iProov.

Speicherung und weitere Nutzung

Protokollierung, Speicherfristen und eine mögliche Verwendung für Training müssen für die konkrete Umsetzung geklärt werden.

Ergebnisse und Datenweitergabe

Je nach Verfahren schaltet ein positives Ergebnis ein Konto direkt frei oder ein Mensch bestätigt es erst. Prüft ein Anbieter in seiner Cloud, verlassen Gesichtsbild und Ausweisdaten die eigene Umgebung.

Ein eingebundener Anbieter legt den Verarbeitungsort nicht automatisch fest. Speicherort, Unterauftragnehmer, Löschfristen und die Nutzung für Training sind im konkreten Betrieb zu prüfen.

Risiken einordnen und Maßnahmen festlegen

Vom Systemverständnis zur Risikoanalyse

  1. System abgrenzen

    Daten, Beteiligte, Schnittstellen und Rechte erfassen. Offene Merkmale im Modell klären.

  2. Bedrohungen untersuchen

    Prüfkandidaten auf die tatsächlichen Datenwege beziehen: Was könnte passieren und wer wäre betroffen?

  3. Risiko bewerten

    Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeit im Einsatzkontext bewerten. Die Anzahl der Prüfkandidaten ist kein Risikowert.

  4. Maßnahmen nachweisen

    Geeignete Kontrollen auswählen, Verantwortliche und Wirksamkeitsprüfungen festlegen. Restrisiken und Freigaben dokumentieren.

Wichtige Bedrohungen im Anwendungskontext

  • 3 besonders wichtig
  • 10 üblich
  • 4 je nach System
  • 7 weitere bei jedem KI-System

Insgesamt kommen bei diesem Anwendungsfall 24 Bedrohungen aus dem Bedrohungskatalog infrage.

Außerdem prüfen: ob das System Gruppen benachteiligt

Prüfen Sie, ob Auswahl, Rangfolge oder Bewertung Menschen mit geschützten Merkmalen benachteiligen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Vorrangige Prüfansätze

  1. Adversariale Eingaben

    Wer sich als eine andere Person ausgeben will, hält ein Foto, eine Maske oder ein künstlich erzeugtes Video vor die Kamera. Überlistet das die Lebenderkennung, eröffnet das System ein Konto oder öffnet die Sperre für die falsche Person.

  2. Unsicherer Umgang mit Modellausgaben

    Das Ergebnis der Prüfung gilt im nachgelagerten Verfahren als bestätigte Identität. Wird es ohne weitere Kontrolle übernommen, kann ein einziger Fehler zu einem Konto oder Zugang unter falschem Namen führen.

  3. Multimodale Angriffe

    Wer ein künstlich erzeugtes Video direkt in den Kamerastrom einspeist, umgeht die Lebenderkennung, ohne vor der Kamera zu stehen. Das System bestätigt dann eine Identität, die niemand vorgezeigt hat.

10 weitere Prüfkandidaten im typischen Aufbau

Weitere relevante Bedrohungen

  1. Gezielte Datenvergiftung / Label-Vergiftung

    Wer die Kennzeichnungen in den Trainingsdaten fälscht, kann die Ergebnisse des Modells gezielt verschieben.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Lernt aus Beispielen mit richtiger Antwort
  2. Backdoor im ML-Modell

    Über Trainingsdaten oder ein übernommenes Grundmodell kann das Modell versteckte Auslöser für Fehlverhalten enthalten.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Nutzt ein Modell eines anderen Anbieters
  3. Modell-Diebstahl

    Wer das Modell abfragen kann, kann es mit vielen Abfragen nachbauen. Selbst trainierte Gewichte lassen sich über den Netzzugang stehlen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Ist für Menschen außerhalb der Organisation nutzbar
  4. Denial-of-Service auf das Modell

    Aufwendige oder massenhafte Eingaben können die Rechenleistung des Modells erschöpfen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Ist für Menschen außerhalb der Organisation nutzbar
    • Verarbeitet Text, Bild und Sprache gemeinsam
  5. Cost Harvesting / Zweckentfremdung

    Kostenpflichtige oder öffentlich auslösbare Abfragen lassen sich missbrauchen, um Rechenleistung und Geld zu verbrauchen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Ist für Menschen außerhalb der Organisation nutzbar
  6. Privacy-Angriffe

    Mit gezielten Abfragen lassen sich personenbezogene und schutzbedürftige Trainingsdaten teilweise aus dem Modell zurückgewinnen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
    • Erkennt oder vergleicht Personen an Körpermerkmalen
  7. Offenlegung sensibler Informationen

    Vertrauliche Inhalte können in Antworten, im mitgegebenen Kontext oder in Protokollen auftauchen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
  8. Exfiltration aus der ML-Anwendung

    Schutzbedürftige Daten können über Werkzeuge, Netzverbindungen, Speicher oder Innentäter abfließen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet vertrauliche Daten
  9. Denial-of-Service auf die Anwendung

    Ist die Anwendung über das Netz erreichbar, können massenhafte Anfragen sie lahmlegen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Ist für Menschen außerhalb der Organisation nutzbar
  10. Modell-Reconnaissance

    Gezielte Abfragen können verraten, wie das Modell gebaut und geschützt ist.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Ist für Menschen außerhalb der Organisation nutzbar

Je nach Aufbau Ihres Systems kommen bis zu 4 weitere hinzu. Neun Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System. Zwei davon sind hier besonders wichtig und stehen deshalb oben.

Systemmerkmale und offene Fragen

Jedes Ja setzt weitere Bedrohungen auf Ihre Prüfliste, insgesamt bis zu 4. Können Sie eine Frage noch nicht beantworten, prüfen Sie die Bedrohungen mit.

Wie viele Bedrohungen bei Ja hinzukommen
  • Kommt mit diesem Ja hinzu

Wie Ihr System gebaut ist

Kann das System selbst etwas verändern, etwa Daten speichern, Nachrichten senden, Buchungen auslösen oder Rechte vergeben?

Je nach Verfahren schaltet ein positives Ergebnis ein Konto direkt frei oder ein Mensch bestätigt es erst.

Wenn ja, kommt hinzu

Bewegt oder steuert das System unmittelbar etwas in der physischen Welt, etwa Motoren, Ventile, Fahrzeuge oder Temperaturen?

An der automatischen Grenzkontrolle öffnet ein positives Ergebnis die Sperre.

Wenn ja, kommt hinzu

Fließen Rückmeldungen oder Ergebnisse aus dem Betrieb später in Auswertung oder Training ein?

Wenn ja, kommt hinzu

Wie Sie das System betreiben

Diese Fragen stellen sich bei fast jedem KI-System.

Maßnahmen und Umsetzung

Maßnahmen zu den Prüfschwerpunkten sind direkt geöffnet. Die verlinkten Maßnahmen erläutern jeweils die Umsetzung.

PrüfschwerpunktAdversariale Eingaben2 Maßnahmen
PrüfschwerpunktUnsicherer Umgang mit Modellausgaben3 Maßnahmen
PrüfschwerpunktMultimodale Angriffe2 Maßnahmen
Gezielte Datenvergiftung / Label-Vergiftung3 Maßnahmen
Backdoor im ML-Modell2 Maßnahmen
Modell-Diebstahl3 Maßnahmen
Denial-of-Service auf das Modell3 Maßnahmen
Cost Harvesting / Zweckentfremdung3 Maßnahmen
Privacy-Angriffe3 Maßnahmen
Offenlegung sensibler Informationen3 Maßnahmen
Exfiltration aus der ML-Anwendung3 Maßnahmen
Denial-of-Service auf die Anwendung3 Maßnahmen
Modell-Reconnaissance3 Maßnahmen

Maßnahmen gegen die übrigen Bedrohungen finden Sie auf deren Seiten im Bedrohungskatalog.

Vorschriften der KI-Verordnung

Wann die Vorschriften der KI-Verordnung gelten
  1. Art. 4: KI-Kompetenz

    Für jedes KI-System Gilt seit dem 2. Februar 2025.

  2. Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle

    Je nach Einsatz Prüfanlass ab dem 2. Dezember 2027.

Gilt für jedes KI-System

Art. 4: KI-Kompetenz

Greift, wenn Beschäftigte oder Beauftragte KI-Systeme betreiben oder nutzen.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 4: KI-Kompetenz
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Kann bei bestimmtem Einsatz greifen

Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle

Greift, wenn Grenzbehörden das System einsetzen, um Personen zu erkennen oder zu identifizieren, und dabei über die Prüfung von Reisedokumenten hinausgehen.

Gilt ab dem 2. Dezember 2027.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 7: Migration, Asyl und Grenzkontrolle
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System bei der Prüfung von Asyl-, Visa- oder Aufenthaltsanträgen oder bei Grenzkontrollen eingesetzt wird.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Greift in der Regel nicht

Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung

Das System bestätigt nur die Identität, die eine mitwirkende Person angibt. Eine solche Verifizierung nimmt Anhang III Nr. 1 Buchst. a ausdrücklich aus.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 1 Buchst. a: Biometrische Fernidentifizierung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System Personen aus der Ferne anhand biometrischer Merkmale identifiziert.
Ausnahme
Systeme, die nur bestätigen, dass eine Person die ist, die sie zu sein angibt.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Ihr System im Schnellprüfer einordnen Alle Pflichten im Pflichtenkompass

Übergreifende Bedrohungen

Diese Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System, egal wofür es eingesetzt wird.

Warum diese Bedrohungen immer dazugehören

Abweichende Systemmerkmale

16 weitere Fragen ansehen

Trifft eine dieser Fragen bei Ihrem System doch zu, kommen die genannten Bedrohungen hinzu.

Quellen

Verwandte Anwendungsfälle

Ebenfalls im Einsatzgebiet Biometrie und Emotionserkennung

Oft zusammen eingesetzt mit

Stand: 30. September 2026. Regelwerk der Prüfliste in Fassung 0.3.2, Bedrohungskatalog in Fassung 2026.10.24.2. Wie diese Seiten aufgebaut sind