Versatile AI Risk Assessment
Banken und Versicherungen

Risikobewertung und Tarifierung in der Lebens- und Krankenversicherung

Englisch: AI-based underwriting and pricing in life and health insurance

Versicherer schätzen das Sterbe- oder Krankheitsrisiko einer Person, die einen Vertrag beantragt, und leiten daraus ab, ob sie sie annehmen und welchen Beitrag sie verlangen.

Interaktives Modell erkunden

Handout exportieren

Eine kompakte PDF mit Funktionsweise, Datenwegen und Prüfansätzen zum Weitergeben.

Die Erläuterungen und Maßnahmen beschreiben den typischen Aufbau. Viele eigene Änderungen ergänzen einen Anhang.

Den Anwendungsfall verstehen

Was macht diesen Anwendungsfall aus?

Vor Vertragsschluss wertet das Modell Gesundheitsangaben, Laborwerte und weitere Angaben aus und ordnet die Person einer Risikoklasse zu. Der US-Lebensversicherer MassMutual nutzt ein solches Modell. In Deutschland setzen Versicherer KI dafür laut BaFin bisher selten ein.

Die Seite beschreibt einen typischen Aufbau. Die tatsächlichen Datenwege und Befugnisse ergeben sich aus Ihrer Umsetzung.

Bauform
Auswertung und Verarbeitung
Handlungsmacht
Handlungsrechte je nach Einbindung
Einsatzfelder
Versicherungen
Auch bekannt als
Underwriting, Risikoprüfung, Tarifierung

Funktionsweise und Ablauf

Aufbau und Datenwege

  1. Eingabedaten

    Antworten auf die Gesundheitsfragen, Laborwerte, Befunde und Angaben zu Beruf und Lebensumständen kommen mit dem Antrag an.

    Die Gesundheitsfragen beantwortet die Person selbst, Befunde stammen von Ärztinnen, Ärzten und Laboren. Das System bewertet eine bestimmte Person mit Alter, Beruf und Lebensumständen.

  2. Verarbeitung

    Das Modell schätzt daraus das Sterbe- oder Krankheitsrisiko der Person.

    Das Modell verarbeitet die zugelassenen Antrags- und Risikomerkmale und liefert eine Einschätzung für die versicherungstechnische Bewertung. Tarifregeln übersetzen diese Einschätzung in einen Vorschlag. Annahme, Ausschluss oder Preisfestlegung erfolgen im anschließenden Versicherungsprozess.

  3. Ergebnisse

    Das Modell empfiehlt eine Risikoklasse und damit Annahme, Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung.

    Das Ergebnis beschreibt die definierte Modellaufgabe. Ein Treffer, eine Kategorie oder eine Prognose erhält seine fachliche Bedeutung erst zusammen mit den zugrunde liegenden Daten und dem vorgesehenen Verwendungszweck.

  4. Nutzung und Auswirkungen

    Die Empfehlung bestimmt, ob die Person versichert wird und welchen Beitrag sie über die Laufzeit zahlt.

    Die Einbindung bestimmt, ob das Ergebnis lediglich angezeigt, nach Freigabe übernommen oder direkt in ein Fachverfahren geschrieben wird. Diese Varianten unterscheiden sich in ihren Datenwegen und Befugnissen.

Aufbau aktiv erkunden: Wählen Sie einen Baustein, um seine Aufgabe, die ein- und ausgehenden Daten und die Einbindung im Anwendungsfall zu sehen. Der geführte Ablauf erläutert jede Phase. Mit Ja, Offen und Nein können Sie anschließend Ihre konkrete Systemvariante abbilden.

So ist das System aufgebaut

9 zuerst zu prüfen9 zu klären6 Grundlagen

EingangVerarbeitungErgebnisWirkung Zugangvon außen 04 Eingabe 40 InhalteDritter 00 KI-Modell 11 Dienst einesAnbieters 02 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 30 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01 Zugangvon außen 04 Eingabe 40 InhalteDritter 00 KI-Modell 11 Dienst einesAnbieters 02 Dokumenten-sammlung 00 Gedächtnis 00 Training undRückmeldung 30 WeitereKI-Agenten 00 Werkzeuge undSchnittstellen 00 Ergebnis 00 Fachanwendungoder Anlage 01 Mensch 10 BetroffenePerson 00 KI-Diensteohne Freigabe 01
  • Vorhanden
  • Hängt von Ihrem System ab
  • Nicht vorhanden
  • Zuerst zu prüfen
  • Zu klären

Im gezeigten Aufbau: 9 zuerst zu prüfen, 9 zu klären, 6 Grundlagen.

Aufbau als Liste

Abgrenzung zu ähnlichen Anwendungsfällen

Daten und Informationen

Eingabedaten und Informationsquellen

Die Gesundheitsfragen beantwortet die Person selbst, Befunde stammen von Ärztinnen, Ärzten und Laboren. Das System bewertet eine bestimmte Person mit Alter, Beruf und Lebensumständen.

Verarbeitung und Betriebsumgebung

Rückversicherer und Anbieter stellen Modelle für die Risikoprüfung bereit, die Erstversicherer übernehmen.

Speicherung und weitere Nutzung

Versicherer trainieren solche Modelle mit ihren eigenen Antrags- und Leistungsdaten. Leistungsfälle aus den abgeschlossenen Verträgen können in spätere Fassungen des Modells einfließen, oft erst nach Jahren.

Ergebnisse und Datenweitergabe

Manche Versicherer nehmen Anträge mit günstigem Wert ohne weitere Prüfung an, andere legen jede Empfehlung der Risikoprüfung vor.

Ein eingebundener Anbieter legt den Verarbeitungsort nicht automatisch fest. Speicherort, Unterauftragnehmer, Löschfristen und die Nutzung für Training sind im konkreten Betrieb zu prüfen.

Risiken einordnen und Maßnahmen festlegen

Vom Systemverständnis zur Risikoanalyse

  1. System abgrenzen

    Daten, Beteiligte, Schnittstellen und Rechte erfassen. Offene Merkmale im Modell klären.

  2. Bedrohungen untersuchen

    Prüfkandidaten auf die tatsächlichen Datenwege beziehen: Was könnte passieren und wer wäre betroffen?

  3. Risiko bewerten

    Auswirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeit im Einsatzkontext bewerten. Die Anzahl der Prüfkandidaten ist kein Risikowert.

  4. Maßnahmen nachweisen

    Geeignete Kontrollen auswählen, Verantwortliche und Wirksamkeitsprüfungen festlegen. Restrisiken und Freigaben dokumentieren.

Wichtige Bedrohungen im Anwendungskontext

  • 4 besonders wichtig
  • 5 üblich
  • 9 je nach System
  • 6 weitere bei jedem KI-System

Insgesamt kommen bei diesem Anwendungsfall 24 Bedrohungen aus dem Bedrohungskatalog infrage.

Außerdem prüfen: ob das System Gruppen benachteiligt

Prüfen Sie, ob Auswahl, Rangfolge oder Bewertung Menschen mit geschützten Merkmalen benachteiligen, etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft.

Vorrangige Prüfansätze

  1. Übermäßiges Vertrauen in das KI-System

    Empfiehlt das Modell eine ungünstige Risikoklasse, übernimmt die Risikoprüfung sie womöglich, ohne die Gesundheitsangaben selbst anzusehen. Die Person erhält dann einen Zuschlag oder eine Ablehnung, die nur auf einer Schätzung beruht.

  2. Modell-Drift & -Degradation

    Das Modell kennt Sterblichkeit und Krankheitsverläufe früherer Jahrgänge. Wird eine Behandlung besser oder beantragen andere Menschen Verträge als früher, stimmen die Risikoklassen nicht mehr.

  3. Privacy-Angriffe

    Das Modell hat aus Gesundheitsdaten sehr vieler Menschen gelernt. Wer es wiederholt abfragt, kann Rückschlüsse darauf ziehen, ob eine bestimmte Person oder Erkrankung in den Lerndaten vorkommt.

  4. Adversariale Eingaben

    Wer weiß, welche Angaben die Risikoklasse verschlechtern, kann Gesundheitsfragen gezielt anders beantworten. Das System empfiehlt dann einen Vertrag, der bei zutreffenden Angaben anders ausgefallen wäre.

5 weitere Prüfkandidaten im typischen Aufbau

Weitere relevante Bedrohungen

  1. Vergiftung der Trainingsdaten

    Über eigenes Training oder Rückmeldungen aus dem Betrieb können manipulierte Daten in die Lerndaten gelangen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Lernt aus Ihren eigenen Daten
  2. Gezielte Datenvergiftung / Label-Vergiftung

    Wer die Kennzeichnungen in den Trainingsdaten fälscht, kann die Ergebnisse des Modells gezielt verschieben.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Lernt aus Beispielen mit richtiger Antwort
  3. Backdoor im ML-Modell

    Über Trainingsdaten oder ein übernommenes Grundmodell kann das Modell versteckte Auslöser für Fehlverhalten enthalten.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Lernt aus Ihren eigenen Daten
  4. Offenlegung sensibler Informationen

    Vertrauliche Inhalte können in Antworten, im mitgegebenen Kontext oder in Protokollen auftauchen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaften

    • Verarbeitet personenbezogene Daten
    • Verarbeitet vertrauliche Daten
  5. Exfiltration aus der ML-Anwendung

    Schutzbedürftige Daten können über Werkzeuge, Netzverbindungen, Speicher oder Innentäter abfließen.

    Steht hier wegen dieser Eigenschaft

    • Verarbeitet vertrauliche Daten

Je nach Aufbau Ihres Systems kommen bis zu 9 weitere hinzu. Neun Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System. Drei davon sind hier besonders wichtig und stehen deshalb oben.

Systemmerkmale und offene Fragen

Jedes Ja setzt weitere Bedrohungen auf Ihre Prüfliste, insgesamt bis zu 9. Können Sie eine Frage noch nicht beantworten, prüfen Sie die Bedrohungen mit.

Wie viele Bedrohungen bei Ja hinzukommen
  • Kommt mit diesem Ja hinzu

Wie Ihr System gebaut ist

  1. Verändert Daten oder löst Vorgänge aus1 Bedrohung
  2. Optimiert eine vorgegebene Kennzahl1 Bedrohung

Wie Ihr System gebaut ist

Kann das System selbst etwas verändern, etwa Daten speichern, Nachrichten senden, Buchungen auslösen oder Rechte vergeben?

Manche Versicherer nehmen Anträge mit günstigem Wert ohne weitere Prüfung an, andere legen jede Empfehlung der Risikoprüfung vor.

Wenn ja, kommt hinzu

Soll das System eine vorgegebene Kennzahl möglichst verbessern, etwa Umsatz, Auslastung oder Klicks?

Richtet der Versicherer die Schwellen an Annahmequote oder erwarteter Schadenlast aus, arbeitet das System auf ein geschäftliches Ziel hin.

Wenn ja, kommt hinzu

Wie Sie das System betreiben

Diese Fragen stellen sich bei fast jedem KI-System.

Maßnahmen und Umsetzung

Maßnahmen zu den Prüfschwerpunkten sind direkt geöffnet. Die verlinkten Maßnahmen erläutern jeweils die Umsetzung.

Maßnahmen gegen die übrigen Bedrohungen finden Sie auf deren Seiten im Bedrohungskatalog.

Vorschriften der KI-Verordnung

Wann die Vorschriften der KI-Verordnung gelten
  1. Art. 4: KI-Kompetenz

    Für jedes KI-System Gilt seit dem 2. Februar 2025.

  2. Anhang III Nr. 5 Buchst. c: Lebens- und Krankenversicherung

    Bei typischem Einsatz Prüfanlass ab dem 2. Dezember 2027.

Gilt für jedes KI-System

Art. 4: KI-Kompetenz

Greift, wenn Beschäftigte oder Beauftragte KI-Systeme betreiben oder nutzen.

Gilt seit dem 2. Februar 2025.

Pflichten und Einzelheiten zu Art. 4: KI-Kompetenz
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller, Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck

Die Pflichten im Einzelnen

Kann beim üblichen Einsatz greifen

Anhang III Nr. 5 Buchst. c: Lebens- und Krankenversicherung

Greift, wenn das System für eine natürliche Person das Risiko bewertet oder den Preis bildet, etwa bei einer Risikolebensversicherung oder einer privaten Krankenversicherung.

Gilt ab dem 2. Dezember 2027.

Pflichten und Einzelheiten zu Anhang III Nr. 5 Buchst. c: Lebens- und Krankenversicherung
Allgemein lautet die Bedingung
Greift, wenn das System für Lebens- oder Krankenversicherungen von Personen Risiken bewertet oder Preise festlegt.
Wer die Pflichten trägt
Anbieter, Betreiber, Produkthersteller

Die Pflichten im Einzelnen

Ihr System im Schnellprüfer einordnen Alle Pflichten im Pflichtenkompass

Übergreifende Bedrohungen

Diese Bedrohungen prüfen Sie bei jedem KI-System, egal wofür es eingesetzt wird.

Warum diese Bedrohungen immer dazugehören

Abweichende Systemmerkmale

16 weitere Fragen ansehen

Trifft eine dieser Fragen bei Ihrem System doch zu, kommen die genannten Bedrohungen hinzu.

Quellen

Verwandte Anwendungsfälle

Ebenfalls im Einsatzgebiet Banken und Versicherungen

Oft zusammen eingesetzt mit

Stand: 30. September 2026. Regelwerk der Prüfliste in Fassung 0.3.2, Bedrohungskatalog in Fassung 2026.10.24.2. Wie diese Seiten aufgebaut sind