Welche besonderen Bedrohungen gibt es bei KI-Systemen?
Der Katalog führt 52, davon 45 im Betrieb. Neu gegenüber der klassischen Anwendungssicherheit sind vor allem fünf Gruppen: Prompt-Angriffe und Umgehung von Schutzmechanismen, Manipulation von Modell und Trainingsdaten, autonome Agenten, Datenabfluss über das Modell und schädliche Inhalte aus der Erzeugung.
Was ist indirekte Prompt Injection und was hilft dagegen?
Anweisungen kommen nicht vom Nutzer, sondern aus einer Quelle, die das System verarbeitet: einem Dokument, einer Webseite, einer Bildbeschreibung, der Antwort eines Werkzeugs. Das Modell führt sie aus, weil es Anweisung und Inhalt nicht trennt. Der Eintrag im Bedrohungskatalog führt die Gegenmaßnahmen dagegen auf, jede mit ihrer Fundstelle im Rahmenwerk.
Wie sichere ich ein System ab, das eigenständig handelt?
Vor der ersten echten Berechtigung stehen fünf Festlegungen: Rechteumfang, Autonomiestufe, Freigabepflichten, Protokollierung und Abschaltmechanismus. Der Katalog führt fünf Bedrohungen zu autonomen Agenten, darunter dauerhaft vergifteter Gedächtnisinhalt und unsichere Kommunikation zwischen Agenten.
Welche Rahmenwerke deckt der Katalog ab?
Sieben, mit 486 belegten Zuordnungen aus 21 Primärquellen: die KI-Verordnung mit 51 Bedrohungen, das Risikorahmenwerk des amerikanischen Normungsinstituts mit 47, die Prioritätenliste der OWASP-Stiftung mit 45, MITRE ATLAS mit 44, dazu DSGVO, die Veröffentlichungen des Bundesamts und die Architekturanalysen des Berryville Institute. Jede Rahmenwerkseite nennt auch, welche Bedrohungen es nicht erreicht.
Welche Bedrohungen sind für mein System relevant?
Das hängt am Systemtyp und an den Architekturmerkmalen. Die Auswertung zum Anwendungskontext lässt beides wählen und zeigt dann, welche der 52 Bedrohungen immer zu betrachten sind und welche nur im Einzelfall. Ein System ohne Werkzeugzugriff braucht die Agentengruppe nicht, ein System ohne eigenes Training die Vergiftungsgruppe nur bedingt.
Wie wirken die Gegenmaßnahmen und wo greifen sie?
265 Gegenmaßnahmen tragen je Eintrag ihre Maßnahmenart, ihre Wirkung und ihre Umsetzungsebene. Die Wirkmatrix stellt beides gegenüber: welche Maßnahmenart auf welche Themengruppe wirkt und wo Lücken bleiben. Der Angriffsverlauf zeigt für jede Bedrohung die fünf Punkte, an denen eine Maßnahme ansetzen kann.
Welche Pflicht der KI-Verordnung betrifft die Sicherheit unmittelbar?
Art. 15 verlangt für Hochrisiko-Systeme ein angemessenes Maß an Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit über den gesamten Lebenszyklus, ausdrücklich einschließlich der Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe. Für Betreiber kommt Art. 26 Abs. 5 hinzu: den Betrieb überwachen und bei einem Risiko aussetzen.
Was leistet die Anwendung für die Sicherheit ausdrücklich nicht?
Sie prüft kein laufendes System, sie liest keine Protokolle und sie erkennt keinen Angriff. Sie ersetzt weder ein Managementsystem noch einen Sicherheitstest. Sie bewertet einen Stand auf der Grundlage dessen, was Sie eintragen; ob eine Maßnahme im konkreten System wirkt, prüft sie nicht nach.